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"Wer nicht erlebt hat, was uns widerfährt, der wird es nicht glauben."

Dieser Satz, gefallen in einer Diskussion von Langzeitarbeitslosen, war für mich der Auslöser, diesen Bericht zu schreiben. In ihm sind die Erfahrungen einer ganzen Reihe von Personen, einschließlich von mir selbst, verarbeitet. Ich räume gerne ein, daß der eine oder die andere, vor allem wenn der Kontakt mit dem Arbeitsmarktservice (AMS) nur kurz war, Erfreulicheres erlebt hat, als hier dokumentiert ist. Trotzdem sind es authentische Berichte, die nicht wegdiskutiert werden können.

Im öffentlichen, politischen Diskurs ist die soziale Erfahrung der Arbeitslosen mit dem AMS weitgehend ausgeschlossen. Daß gewisse Kreise Interesse haben, Zerrbilder über Arbeitslose in Umlauf zu setzten, verseht sich von selbst. Aber auch bei linken und kritischen politischen Kräften, die die Arbeitslosigkeit ehrlich als echtes Problem, und nicht als probates Mittel, Druck auf die noch Arbeitsplatzbesitzenden auszuüben, auffassen, fehlt oft jedes Wissen um die Vorgänge im AMS. Immerhin ist das AMS eine Institution, die das Lebensschicksal von über einer viertel Million Menschen verwaltet. Es ist eine Sache, sich Gedanken über die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit zu machen, politische Vorschläge zu entwickeln oder Maßnahmen vorzuschlagen. Eine andere Sache ist es, die Politik des AMS unter die Lupe zu nehmen. Hier herrscht auch bei linken und oppositionellen Funktionären oft blankes Unwissen und völlige Ahnungslosigkeit, was eigentlich hinter den geschlossenen Türen der Beratungszimmer geschieht. Irgendwie scheint der Irrglaube verbreitet zu sein, daß AMS würde halt offene Stellen vermitteln, ansonsten Arbeitslose durch Schulungen weiterbilden. Und, so wird unausgesprochen hinzugefügt, was sei daran schon so problematisch. Die Kritik bezieht sich in der Regel allein auf den Punkt, daß die Kursmaßnahmen die Arbeitslosenstatistik verfälschen würde. Diese Sichtweise ist nicht nur bis zu Lächerlichkeit verkürzt, sie zeigt vor allem den Ausschluß der sozialen Erfahrung. Wer so denkt, hat seit Jahrzehnten kein Arbeitsamt als Betroffener betreten. Ohne Bezug auf die soziale Erfahrung wird ein steriler, von allem Erleben gereinigter politischer Diskurs über die Arbeitslosigkeit geführt, in dem die wirklichen Menschen, ihre Erlebnisse, Befürchtungen und Ängste nicht mehr vorkommen. Wer arbeitslos ist, ist stigmatisiert. Man seht im Schatten von Arbeitsunwilligkeit, Schmarotzertum und persönlicher Unfähigkeit. Und wer arbeitslos ist, kennt das aus seinem Alltag ganz genau. Doch der soziale Ort, an dem sich die Abwertung konkret und mit praktischen Konsequenzen vollzieht, ist die Institution AMS. Wer über Arbeitslosigkeit spricht ohne das AMS mit einzubeziehen, verliert an Glaubwürdigkeit.

"... den Fuß in der Türe..."

Wer Räume des Arbeitsmarktservices betritt ist von eine Flut von Plakaten und Broschüren umgeben, in denen "Kundenorientiertheit" und "Problemlösungskompetenz" signalisiert werden. In wohlwollender, ja salbungsvoller Sprache ist von "Hilfestellung", "Unterstützung" und "sinnvollen Maßnahmen" die Rede. Sobald sich die Türe des Beratungszimmers geschlossen hat und man dem Betreuer alleine gegenüber sitzt, sehen die Dinge bald ganz anders aus. Was nun verhandelt wird, sind nicht ein paar tausend Schillinge im Monat, ist nicht die Suche nach einem sinnvollen Arbeitsplatz, sondern die Durchsetzung eines perfides Kalküls, das man zuerst gar nicht recht glauben kann. Tatsache ist: Das AMS kann keine Arbeitsplätze anbieten, die der Ausbildung, der Berufserfahrung, dem Interesse und der Motivation der Arbeitsuchenden entsprechen - und die Beamten wissen das auch. Je länger man arbeitslos ist, desto klarer erkennt mensch, daß die vorgeschlagenen Maßnahmen offenbar einen anderen Zweck erfüllen, als jenen, den die Hochglanzprospekte suggerieren. Als erster Schritt wird unmißverständlich klar gemacht, daß der Arbeitsplatz nach Wunsch eine Illusion sei, die man sich rasch abzuschminken hätte. Nach und nach zeichnet sich das eigentliche Kalkül der Gespräche, Vorschläge und Maßnahmen ab, die einem unbefangenen Beobachter als nicht zielführend, ja unsinnig erscheinen müssen. Die Arbeitsuchenden sollen dazu gebracht werden, jedes Kriterium für die Arbeitsplatzwahl, jeden Anspruch, jeden Wunsch nach einem bestimmten Arbeitsplatz aufzugeben und dem Credo beipflichten, jeder Arbeitsplatz, sei er noch so miese, schlecht bezahlt und weit vom Wohnort entfernt, so besser als gar keiner. Darum kreist die sogenannte "Betreuung" durch die Beamten des AMS in Wirklichkeit. Widerspruch und Einwände werden nicht geduldet. Wer keine Einsicht zeigt, dem drohen Sanktionen. Ein beliebtes Mittel, Arbeitslose zu schikanieren, sind Kurse. Bei diesen Kursen geht es immer weniger um Vermittlung von beruflichen Qualifikationen, sondern um die Indoktrination marktkonformener Weltanschauungen, schlicht um Gehirnwäsche. Vor dem Hintergrund primitivster neoliberaler Positionen soll dem Arbeitsuchenden eingetrichtert werden, daß sein Schicksal einzig und allein in seinen Händen liegt. Wer zu äußern wagt, daß das Problem der Arbeitslosigkeit auf gesellschaftlicher Ebene bekämpft werden muß, wird automatisch zum Querulant und dokumentiert damit seine heimliche Arbeitsunwilligkeit. Mit subtilen Methoden wird den Arbeitslosen eingehämmert, sie müßten erkennen, daß sie eigentlich von der Gesellschaft durchgefütterte Problemfälle seinen. Freilich ertönt auch die frohe Botschaft: "Wichtig ist, den Fuß in der Türe zu haben". Das heißt im Klartext: Irgend ein Job, sei er noch so übel und miserabel bezahlt, sei besser als gar keiner....

Als besondere Pikanterie am Rande muß erwähnt werden, wer und zu welchen Bedingungen diese Kurse hält. Oft sind es selbst Langzeitarbeitslose, die, auf Basis von Wertverträgen, Arbeitslosen erklären sollen, wie sie ihrem Schicksal entrinnen können. Ich kenne einige Personen, bei denen es sich im letzten Moment entschieden hat, ob sie den selben Kurs leiten, oder ihn konsumieren müssen. Ablehnung von Kursen zieht die Streichung des Bezugs für einige Wochen nach sich; damit wird auch ganz offen gedroht. Qualifizierte Personen, die den Berufsschutz verloren haben, werden ohne Debatte an die absurdesten Stellen vermittelt. "Notwendige Dequalifikation um die Chancen am Arbeitsmarkt zu erhöhen" lautet die offizielle Sprachregelung – praktisch bedeutet dies die völlige Ignoranz gegenüber den Fähigkeiten, Interessen, ja der Persönlichkeit des Arbeitsuchenden. Die Rücksichtslosigkeit und Brutalität des Vorgehens kann am besten an Beispielen demonstriert werden. Einer ausgebildeten und preisgekrönten Musikerin und Komponistin wurde ungerührt die Stelle einer Regalbetreuerin in einem Supermarkt angeboten, einem langjährigen Universitäts-Lektor eine Kellnerstelle in Baden, trotz seines Wohnorts in Wien. Einem ausgebildeten Tischler eine Stelle als Abwäscher, inklusive ein täglicher Arbeitsweg von drei Stunden. Diese Beispiele sind keine Einzelfälle und könnten beliebig verlängert werden. Geäußerte Bedenken, die angebotene Arbeitsstelle würde ja nicht im geringsten der eigenen Person entsprechen, werden zynisch mit dem Hinweis auf zu leistende Flexibilität und der Drohung mit Bezugsstreichung quittiert. Argumente, die Annahme einer besonders unqualifizierten Tätigkeit würde das Resultat jahrelanger Ausbildung in Frage stellen und in weiterer Zukunft das Erreichen einer entsprechenden Tätigkeit nachhaltig gefährden, werden als Widerspenstigkeit und Arbeitsunwilligkeit ausgelegt. Unmißverständlich wird das Aufgeben seiner eigenen Geschichte, seiner Fähigkeiten, seiner sozialen Identität gefordert. Diese gängige Praxis betrifft alle sozialen Gruppen, Männer wie Frauen. Indem blindwütig Menschen an offene Stellen vermittelt werden, die auf sie paßt wie die berühmte Faust auf das Auge, muß bei den potentiellen Arbeitgebern und in Folge in der Öffentlichkeit der Eindruck entstehen, Arbeitslose seien an Anstellungen gar nicht interessiert. Das wiederum hat zur Folge, daß Arbeitgeber, die engagierte und interessierte Personen suchen, offene Stellen den Arbeitsämtern nicht melden. Durch die Vermittlungspraxis des AMS finden sich letztlich nur Jobs im Angebot, die, höflich ausgedrückt, nicht wirklich arbeitsmarktfähig sind. Nur wer diesen Mechanismus kennt, weiß, warum die Zuweisung von Vorstellungsterminen de facto konterproduktiv und als Schikane zu werten ist.

Es wäre naiv zu glauben, das AMS wüßte das alles nicht. Ebenso ist die praktische Erfolglosigkeit diverser Kursmaßnahmen bekannt. Die in der Öffentlichkeit immer wieder geäußerte Meinung, die Kurse sein dazu da, die Statistik zu beschönigen, ist eben nur die halbe Wahrheit. Auch wenn die Maßnahmen keineswegs dazu führen, Personen an sinnvolle Arbeitsplätze zu vermitteln, sie haben durchaus einen Sinn. Nämlich das Individuum so lange weich zu klopfen, bis es bereit ist, wirklich jede Arbeit zu allen Bedingungen anzunehmen. Wirtschaft, was wünscht du dir mehr! Der Sinn dieser an sich sinnlosen Befehle ist es, die Arbeitslosen ständig auf Trab zu halten mit dem Kalkül, irgendwann wird sich der Arbeitslose vom Bezug abmelden und nicht mehr in der Statistik aufscheinen, egal wie, egal welchen Job er irgendwo organisiert. Beliebt ist auch die Ermunterung, sich "selbständig" zumachen, das heiß fast immer ohne notwendiges Kapital und Erfahrung, freier Unternehmer zu spielen. Auch dafür gibt es Kurse.

Ohnmacht und Angst

Sicher treffen die in diesem Bericht festgehaltene Erfahrungen nicht auf alle in gleichem Maße zu. Die gründlich geschulten Beamten gehen sehr differenziert vor. Jüngere Personen, die nur wenige Wochen arbeitslos sind und als leicht vermittelbar eingeschätzt werden, werden andere Erfahrungen machen, als jene, die als Problemfälle gebrandmarkt werden. Und Problemfall ist man leicht, die "falsche" Ausbildung, sogenannte Überqualifikation, längere Arbeitslosigkeit, ältere Menschen, alleinstehende Frauen mit Kindern - schon bekommt man Macht und Willkür zu spüren. Über Ohnmacht und Angst spricht mensch nicht gerne. Aber es soll auch einmal gesagt werden: Aus zahlreichen Gesprächen und auch aus eigener Erfahrung weiß ich, welch psychischen Druck es bedeutet, dem sogenannten Betreuer ohnmächtig ausgeliefert zu sein. Man wird zu Aktionen gezwungen, die man aus tiefster Überzeugung für sinnlos, ja konterproduktiv hält. Man wird gezwungen, sich für Jobs bewerben, obwohl man selbst weiß – und zumeist auch der potentielle Arbeitgeber, so er über einen Funken Menschenkenntnis verfügt – , daß man für diese Tätigkeit einfach nicht geeignet ist. Das hinterläßt Spuren, den Stachel des Befehls. Überhaupt Kriterien für seinen möglichen Arbeitsplatz zu entwickeln, gilt als lächerlich, ja Arbeitsunwilligkeit. Das Bedrückende ist die Ausweglosigkeit, in der sich die Arbeitslosen befinden. Im gesellschaftlichen Normalfall befindet sich das Individuum in einer Situation, die es aus freier Entscheidung beenden kann. Hält man seinen Arbeitsplatz nicht aus, besteht die Option der Kündigung. Wird die Beziehung zur Hölle, ist Trennung immer noch möglich. Solange man jedoch ohne Arbeit und Einkommen ist, kann man dieser Institution nicht entfliehen. Die psychische Reaktion der Arbeitslosen ist unterschiedlich. Manche reagieren mit Zynismus, andere mit Angst, dritte geraten in Panik und treffen Entscheidungen, die an sich unsinnig sind, weitere reagieren mit Überanpassung und vorauseilendem Gehorsam. "Eigentlich sind wir Leibeigene des Staates" formulierte eine Langzeitarbeitslose in einem Gespräch. Dem kann ich nur zustimmen.

Was tun?

Linke Politik kann nicht länger ausschließlich "die Arbeitslosigkeit bekämpfen" auf ihre Fahnen schreiben, gleichzeitig das AMS und seine Mechanismen als blinden Fleck ignorieren. Diese Haltung arbeitet dieser Institution und ihrer Macht in die Hände. Sie spart einen, ja den Mechanismus der Disziplinierung und Unterdrückung aus der Kritik aus. Wir alle wissen nur zu gut, wie die Drohung mit der Arbeitslosigkeit in den Betrieben wirkt, wie diese Drohung benutzt wird, um die Situation für alle Werktätigen zu verschärfen. Besteht die Antwort einzig und allein in der Forderung nach Arbeitsplätzen, so sind die Arbeitslosen weiter schutzlos der Politik der AMS ausgeliefert. Diese Situation ist unerträglich. Ich halte es hier nicht für sinnvoll, einen Forderungskatalog im Detail vorzulegen. Ich persönlich würde für Auslösung des AMS und für Freiwilligkeit bei Beratung und Kursen plädieren. Dich meine Stimme ist nur eine unter vielen. Notwendig ist, daß die Arbeitslosen ihren reinen Objektstatus überwinden. Wie bei jeder stigmatisierten und heterogenen Gruppe ist Selbstorganisation sehr schwierig und existiert nur in Ansätzen. Realistisch gesehen, wird es in Österreich nicht so rasch eine machtvolle autonome Arbeitslosenbewegung geben. Zu unterschiedlich sind die Interessen, zu verschieden die Lebensperspektiven. Vor allem: Arbeiterkammer, Sozialdemokratie und Gewerkschaften haben wenig Interesse, Arbeitslose zu organisieren. Offiziell hat ein Arbeitsloser nur ein Interesse zu haben, nämlich rasch einen Arbeitsplatz zu bekommen und sonst nichts. Doch die hohen Arbeitslosenzahlen in Europa werden nicht sinken. Arbeitslose wird es auch in Zukunft geben. Ob man Arbeitslosigkeit ehrlich bekämpft oder zynisch als Drohung für die Werktätigen akzeptiert, macht für die Situation der Arbeitslosen keinen großen Unterschied, ob man es wahrhaben will oder nicht. Gemeinsam mit den Arbeitslosen gilt es, Rechte zu fordern. Etwa das Recht, "Nein" zu einem angebotenen Arbeitsplatz zu sagen, das Recht Kurse abzulehnen, das Recht, nach längerer Arbeitslosigkeit Urlaub konsumieren zu können. Man mag diesen Vorschlägen ablehnend oder zustimmend gegenüberstehen, entscheidend ist, daß der Alltag im AMS endlich aus jenem Dunkel geholt wird, in dem Herrschaft und Willkür so prächtig gedeihen. Wenn dieser Artikel dazu ein Anstoß ist, hat er seinen Zweck erfüllt.

Verfasst von Karl Reitter

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11.2004

Reaktion einer Trainerin zur Ö1 Sendung "Arbeitsloseninitiativen wehren sich"

Ich habe das Journal Panorama vom 10.4. über die Arbeitsmarkt-Kurse mit großem Interesse gehört. Wie auch alle anderen Sendungen zu diesem Thema, dankenswerter Weise nimmt sich der Sender Ö1 dieses Themas an.

Seit Ende 1999 bin ich als Wirtschaftstrainerin für das AMS (Wien, aber auch NÖ, gelegentlich) tätig. Mir ist es ein echtes Anliegen folgendes zu ergänzen und zwar aus sicht einer Trainerin: die Kritik, wie sie in der erwähnten wie in allen anderen Sendungen zum Thema immer wieder geäußert wird, ist voll berechtigt, darüber ist nicht zu diskutieren. Gleichermaßen nehme ich für meine Arbeit und auch für die etlicher (nicht für alle aber für etliche) KollegInnen in Anspruch, menschlich vernünftig (durchaus im Sinne des Kant´schen Imperativs) und wertschätzend zu sein. Das bedeutet ganz konkret, dass ich, zumindest aus meiner Sicht, keinem einzigen Kursteilnehmer Druck gemacht habe bzw. mache. Das bedeutet weiters, dass ich mit dieser meiner Einstellung und diesem meinem Berufsethos relativ oft den Verlust des Trainingsauftrages riskiere, da die vorgegebenen Rahmenbedingungen (seitens der Auftraggeber-Unternehmen, seitens des AMS, und letztendlich seitens der Regierung) dieser Menschlichkeit, Vernunft und Wertschätzung weniger Platz einräumen als den Vermittlungsquoten (i.e. Arbeitsaufnahmen) und der beschönigenden Statistik. Das gilt auch für etliche meiner KollegInnen.

Als freiberufliche Trainerin habe ich keine „Lobby“ hinter mir, keine wie auch immer geartete sinnvolle Interessensgemeinschaft. Im Jahr 2000 habe ich um ein Drittel (!) mehr für die Trainingsstunde bezahlt bekommen als gegenwärtig. Die Arbeitsbedingungen haben sich für uns TrainerInnen drastisch verschärft und ich würde es sehr begrüßen wenn auch einmal darüber eine Radiosendung, oder was auch immer gebracht wird. Ich stehe in so einem Fall gerne für Auskünfte zur Verfügung.

Ich habe es satt, dass unsere berufliche Tätigkeit ständig nur im negativen Licht erscheint. Wiewohl, ich wiederhole mich, ich die Kritik absolut berechtigt finde. Ich erhalte allerdings auch sehr viele positive Rückmeldungen seitens der KursteilnehmerInnen (nicht von allen, aber doch von den meisten) während ich seitens der Auftraggeber, seitens des AMS, seitens der Regierung für mein berufliches Bemühen keinerlei Anerkennung erlebe: im Gegenteil: Honorarkürzungen und verschlechterte Rahmenbedingungen sind Berufsalltag.

Dieses positive Feedback der KursteilnehmerInnen macht meine Arbeit möglich, allerdings nicht bis in alle Ewigkeit, da wie gesagt die Rahmenbedingungen ständig schlechter werden und in diesem Bereich enorme finanzielle wie auch menschliche Ressourcen vergeudet werden.

Ich wollte mich zu Gehör bringen und auch eine andere Seite dieses Themas ins Licht rücken. Am besten wäre es, wenn wir alle am selben Strang ziehen.

Mit besten Grüßen
R.

2007


Mitarbeiter über AMS!
AMS Mitarbeiter macht sich Luft

Ich bin garantiert kein Einzelfall.
Allein in unserem Bundesland haben heuer schon 7 Leute gekündigt. Wer jung ist und eine gute Ausbildung hat, verläßt das Schiff und hat völlig recht. Für mich ists dazu zu spät, ich gehör zu jenem Teil die ihre Wut in sich hineinfressen müssen und froh sind,
wenn sie wo Luft ablassen können.
Was für mich vielleicht einmal korrigiert gehört, ist die hier verbreitete
Meinung, daß es das Ermessen der AMS-Berater ist, ob Leute in Maßnahmen
geschickt werden oder nicht. Das ist keinesfalls der Fall, dem Berater ist
dezidiert vorgeschrieben, wann und spätestens bis wann er wen wo hinschicken
muß.
Warne allerdings, sich von einem Umbruch, den es wahrscheinlich eh nicht geben wird, zu viel zu erwarten. Das Dilemma mit der Statistikfälschung hat ja schon vor 2000 begonnen und wird heuer nur noch perfektioniert. Freilich gabs am Anfang
noch Kritik an den Maßnahmen, die gibts heute längst nicht mehr. Wir sind
inzwischen gewohnt, daß die Ziele diskussionslos abgesteckt und angeordnet
werden, über Sinn und Unsinn regt sich keiner mehr auf. Ist auch völlig
sinnlos, da in so einem Fall die Kündigung empfohlen wird.
Mich und sehr viele Kollegen kotzt es einfach an, wenn ich 60-Jährige oder - wenns knapp wird - Schwangere in Bewerbungstrainings schicken muß.
Den Arbeitslosen haben wir schon immer geholfen, nur früher halt viel effizienter. Noch nie war das AMS so bürokratisch und ineffizient wie heute. Zuletzt haben die Komiker über uns sogar die EDV zur Stellensuche (Alter,Geschlecht) unbrauchbar gemacht. Seien wir doch ehrlich: Für die Arbeitslosen sind wir schon noch da, aber nur mehr am Rand. Die Hauptaufgabe für jeden Mitarbeiter ist, seine (nicht nur, aber häufig schwachsinnigen) Ziele und Vorgaben zu erfüllen und möglichst umfangreich zu dokumentieren.

Auszug - Forum
3.07.2006


Protokoll eines Bewerbungsgesprächs
mit Dr. Miklau von der Gesellschaft für Aus- und Weiterbildung / Phönix! von P. D.

Arbeit macht frei!

Zur Vorgeschichte: Bin leider auch schon länger arbeitslos und habe ein Vermittlungsdefizit, bin überqualifiziert, habe auch einige durchaus prinzipiell sinnvolle Ausbildungen vom AMS bezahlt bekommen, die leider sich dann als sinnlos herausgestellt haben, weil die Firmen naturgemäß lieber jemanden nehmen, der Praxis hat und nicht nur Ausbildung oder wenn schon keine Praxis, dann wenigstens jung, billig und willig! Beziehungsweise habe ich eine sehr tolle Ausbildung bekommen – als EDV-Trainerin, eine Tätigkeit die mir total Freude macht, die darf ich aber in AMS-Massnahmen nur ausüben, wenn ich 2000 Stunden in AMS-Massnahmen unterrichtet habe *dasistkeinscherz*

Und Privatanbieter gehen auch nicht, weil es deren nicht mehr viele gibt und sobald auch nur ein Teilnehmer seine Ausbildung vom AMS- finanziert bekommt, bin ich draußen und darf nicht mehr unterrichten.

Tja und so schaute die Situation im März 2006 aus, ich war verzweifelt, musste gemeinsam mit Sohn von 540 € Notstand überleben und hatte wieder mal einen Kontrolltermin. Dort brach ich bei der lieb gemeinten Frage meines AMS-Beraters nach Neuigkeiten in Tränen aus und erzählte ihm von den ca. 600 Bewerbungen der letzen drei Jahre in den Bereichen Assistenz der GF, EDV-Trainerin, Buchhalterin, Personalverrechnerin usw.

Dort bekam ich dann die Chance – nicht lachen, für mich ist es eine – zu JobTransFair zu kommen. Nahm diese gerne an, erst nur weil es doch ein wenig mehr Geld ist, zweitens auch weil ich nicht zu jenen zähle, die jede Maßnahme sofort ablehnen – also kurz ich wurde genommen und bekam die Riesenmöglichkeit – nach dem Probemonat – direkt bei Job-TransFair im Praktikum als EDV-Trainerin zu arbeiten und es macht mir sehr viel Spaß, in der Schulung herrscht eine gute Stimmung zwischen TrainerInnen und TeilnehmerInnen und es wird menschlich auf die Bedürfnisse eingegangen.

Sehr viel Freude macht es mir ebenso die „NEUEN“ in der ersten Woche bei Lebenslauferstellung und ersten Schritten der Bewerbungsunterlagen zu unterstützen, da ich im Sozialbereich jahrelang tätig war, bietet es sich an die Trainerausbildung zusätzlich zur EDV-Trainerausbildung zu machen, und da beginnt das Dilemma. Ich kann sie mir von € 850.-- nicht leisten und sie wird mir nicht bezahlt also habe ich meine Bewerbungsaktivitäten dahingehend ausgedehnt, dass ich mich auch für Trainerjobs bewerbe und anbiete bei Einstellungszusage die Ausbildung berufsbegleitend zu machen, Finanzierung durch Job-TransFair wäre dann möglich

- und so stieß ich auf das Inserat von Der Gesellschaft für Aus- und Weiterbildung - in dem sie Personalvermittler für den Raum Wien suchen – übrigens in der Krone unter Diverse Jobs –direkt unter den Anzeigen der Sexhotlines *lach*

- also habe ich mich beworben, in der Hoffnung eventuell so meine Ausbildung, die meine Berufschanzen eklatant erhöht – finanzieren zu können.

Lange Rede – kurzer Sinn – mein Bewerbungsschreiben war erfolgreich – hatte gestern Vorstellungsgespräch bei Gesellschaft für Aus- und Weiterbildung (Herr Dr. Miklau)

Der erste Eindruck des Büros im 9. war nicht übel, auch nicht der erste Eindruck von Herrn Dr. Miklau, obwohl er mir trotz Hitze nicht mal ein Glas Wasser anbot und auch die Ausstattung des Bewerbungsraumes seltsam war – na ja – Kleinigkeiten.

Er erzählte mir sofort ziemlich lange die Geschichte der Gesellschaft für Aus- und Weiterbildung, für meine Qualifikation interessierte er sich nicht (Näheres warum das so ist – später), so nach ca. 5 Minuten kam heraus dass die Gesellschaft für Aus- und Weiterbildung das PROJEKT PHÖNIX betreibt und in diesem Projekt keinerlei Aus- und Weiterbildung anbietet, sondern sich auf aufsuchende Arbeitsplatzvermittlung spezialisiert hat – und dies mit Duldung und Unterstützung des AMS macht, die Arbeitslosen werden vom AMS zugewiesen und den Rest wie es abläuft, kennt ja der eine oder andere von Euch.

Dr. Miklau machte überhaupt keinen Hehl daraus, dass er davon überzeugt ist, dass diese Vorgehensweise die einzig richtige ist, diese Personen wieder in Beschäftigung zu bringen, keine Weiterbildung bringe was, man nehme auch keinerlei Rücksicht auf Betreuungspflichten, körperliche oder psychische Beschwerden (Suchterkrankungen), weil das alles vergehe schon, wenn jemand arbeitet und auf Wünsche und Bedürfnisse der zu Vermittelnden werde sowieso keine Rücksicht genommen!

Vielleicht bin ich ein Sozialträumer – aber ich hatte dauernd so ein gewisses Schild „Arbeit macht Frei“ vor Augen.

Irgendwann nachdem er mich nieder geredet hatte, fragte er mich ob ich mir den Job eines aufsuchenden Personalvermittlers vorstellen kann – jetzt habe ich begonnen ihn auszufragen – Gerichtsurteil, wie stehen AK, Gewerkschaft, etc. zu diesem Vorgehen und ihr werdet es nicht glauben – er gab bereitwillig Auskunft, dass ihn und sein Vorgehen die „LINKE REICHSHÄLFTE“ als nazimässiges Vorgehen vorhält, aber dass sei ihm egal, Phönix habe eine 60%ige Erfolgsquote und dass AMS viel zu wenig Sperren verhänge!!!

Ich habe ihn dann gefragt wie er es sich vorstellen kann – dass das AMS Phönix trotz Gerichtsurteil weiter mit (Daten von) Teilnehmern versorge – und wenn Ihr bisher gelesen habt – haltet Euch jetzt fest

Dr. Miklau war bis zu seiner Pensionierung als Personalmanager bei einer großen Pharmafirma als Vertreter der Wirtschaftskammer in der paritätischen Kommission (Verwaltungsrat) des AMS und im esf Begleitausschuss des BMWA

Gut, zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch genauer als vorher, dass ich dort sicher nie arbeiten möchte und ich habe ihn gefragt, ob es nicht sinnvoller wäre, Personalvermittler zu nehmen, die Ausbildung im Bereich Sucht mitbringen, da ja dies eine große Gruppe seiner Klienten beträfe, aber er meinte nur er brauche Leute, die „bestimmt“ auftreten, Lebenserfahrung mitbringen und keine Sozialromantiker, weil eben Arbeit ja das Problem eh löst!

Na, ja zum Glück habe ich keinen Führerschein und habe auch klar gesagt, dass ich mit diesem Methoden bzw. mit seiner Einstellung auch ein Riesenproblem habe und somit war der Job erledigt.

8.07.2006

 
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